Mein Schwules Auge 7.
Das schwule Jahrbuch der Erotik

320 Seiten,

15,50 EUR (D)

ISBN: 978-3-887693-97-8

Konkursbuchverlag Tübingen

 


Migrantengorilla


Mein schwules Auge 13  (2016)

Orkans neuer Untermieter ist zwar nicht schüchtern, aber noch ein wenig unerfahren. Vor allem weiß er nicht so genau, wie schwul er wirklich ist. Gemeinsam finden die beiden es heraus.



Putzdienste waren im Untermietvertrag nicht vorgesehen. Mir war nur plötzlich danach, es musste einfach sein. Vielleicht meine Art, Frust abzubauen. Wenn ich die Duschkabine mit Badreiniger einschäumte und anschließend mit dem Schwamm jede noch so feine Ritze auswischte, dann schwand mit dem Belag auch die Erinnerung an den Streit mit meinem Vater. Klar, zum Auspowern hätte ich auch zu McFit gehen können. Nur dass sie dort um diese Tageszeit Schlange standen an Multipresse und Hantelbank. Letztlich blieb auch die Kloschüssel nicht verschont. Die leichten Kalkränder rund um den Wasserpegel waren mir schon seit dem Einzug ein Dorn im Auge. Anschließend saugte ich das Wohnzimmer. Als ich schließlich im Flur den Fußboden wischte, klapperte das Türschloss. Mein Hauptmieter hatte Feierabend.

«Alter, was ist los, bist du krank?» Orkan kratzte sich an den kurzen Haaren, die für meinen Geschmack längst abrasiert gehörten. «Unglaublich, wie sie euch Heteromänner dressiert haben.» Er grinste mich schief an.

In seinem anthrazitgrauen Anzug stand er da und schaute prüfend auf den feucht glänzenden Fußboden. Die mächtigen Oberarme spreizten sich ein wenig vom Oberkörper ab und ließen ihn hilflos und aggressiv zugleich aussehen. Dass er nichts von McFit hielt, hatte er mir schon vor dem Einzug verraten. Wie sollte er dort effektiv trainieren, wenn es keine Kurzhanteln jenseits von 50 Kilogramm gab?

«Hetero war gestern.» Ich drohte mit dem Schrubber. «Sei froh, dass ich mich schon an der Wohnung abreagiert habe.»

«Ganz ruhig.» Er hob die Hände und zwinkerte. «Ich zieh mich eben um. Du machst in der Zwischenzeit für jeden schon mal ’ne Flasche Bier auf und dann ist chillen angesagt.»

Ich goss das Wischwasser in die Toilette und stellte Schrubber und Eimer wieder in die Abseite. Als ich die Tür der Abstellkammer hinter mir schloss, stand Orkan schon in Jogginghose und Sweatshirt da, zwei Bier in der Hand.

«An Service und Geschwindigkeit müssen wir aber noch arbeiten!» Er lachte und schwenkte die Flaschen.

Wenig später saßen wir nebeneinander auf dem Sofa, jeder ein Bier in der Hand. Unsere Knie berührten sich ein klein wenig und ich fragte mich, ob das so in Ordnung war. Andererseits, anstandshalber einen Abstand zwischen uns herzustellen, wie hätte das denn ausgesehen.




Liefern auf Bestellung


Mein schwules Auge 12  (2015)

Die Öffentlichkeit diskutiert über das Erzwingen von Sex durch Gewaltandrohung. ‹Nein heißt nein› ist hier das Schlagwort. Währenddessen fantasiert manch schwuler Mann die eben genau jene Situation herbei...



Lügen ist ohnehin in diesem Umfeld das falsche Wort. Auf dem Fleischmarkt der Eitelkeiten flunkert jeder ein ganz klein wenig. Du nennst es Selbstoptimierung. Verrätst im Chat auch nicht, dass du Freiberufler bist, Grafik-Designer. Auf einer nach oben offenen Schwuppenskala kommt das doch grad noch vor Frisör. Hast vorgegeben, deinen Beruf nicht nennen zu können. Aus Gründen der Diskretion. Um dann hastig hinterherzuschieben, du seist definitiv kein Polizeibeamter. Wie lästig es sei, wenn viele Kerle genau das immer wieder mutmaßen. Nur wegen deiner sportlichen Figur und des Kurzhaarschnitts. Du hast Polizeibeamter statt Bulle gesagt und ganz bewusst offiziöse Worte benutzt. Wie mutmaßen zum Beispiel. In dem Moment hatte er, eh schon ganz fickerig, längst angebissen. Gestand kleinlaut, Buchhalter zu sein.

Um dich zu beruhigen räkelst du dich in der Sonne, streckst die Beine aus und kratzt dich am Sack. Soll er doch hinter einem der Büsche hocken und glotzen.

Du steckst den Schlüssel ein. Er wird derjenige sein, der den Hals gestopft kriegt. Und du wirst den Zeitpunkt bestimmen. Sei es mitten in der Nacht oder zum Frühstück. Reinschleichen in die Wohnung und ab dafür.




Kentucky Fried Chicken


Mein schwules Auge 11  (2014)

Wir begleiten den neunzehnjährigen Erdem aus Hamburg-Mümmelmannsberg, der sich ein erstes Mal mit einem Mann trifft.



Den dunklen Peugeot sah er auf den ersten Blick. Der Fahrer war hinter der getönten Windschutzscheibe nicht zu erkennen. Von Bildern wusste Erdem, dass er durchtrainiert aussah. Der würde sich zu wehren wissen, wenn es sein musste. Wieder und wieder hatte er sich vorgestellt, wie dieser Mann ihm schützend den Arm auf die Schultern legte. Die Beifahrertür öffnete sich. Erdem beugte sich hinunter.

«Steig ein», sagte der Mann.












Plastikfolie und Paketklebeband


Picturature – de l’image au text

Beim Lesen entstehen ebenso Bilder im Kopf wie beim Hören des gesprochenen Wortes. Ganz logisch also, dass das Wort den Zeichner dirigiert. Oder? Zusammen mit der Lesebühne FederKiel hat das Illustratorenkollektiv Pure Fruit den Spieß umgedreht. Die Zeichner haben den Autoren ihre fertigen Bilder geschickt, auf das diese eine Geschichte dazu verfassen. Beschriebene Bilder – oder auch Illuskriptionen – sind das Ergebnis des gemeinsamen Projekts ‹Picturature – de l’image au text›.

Natürlich hat Rolf Redlin auf die Anfrage der Initiatoren hin sofort reagiert und zu einer Illustration von Tim Eckhorst einen kurzen, allerdings nicht ganz jugendfreien Beitrag geschrieben.



Er hatte sich von Instinkten leiten lassen, die dieses Kerlchen in ihm geweckt hatte. Wie kann man überhaupt von so ein bisschen Maulfick sterben? Davon hatte er noch nie gehört.



Director’s Cut 2.0


Mein schwules Auge 10  (2013)

Unter dem Titel ‹Director’s Cut 2.0› erfährt der Leser allerlei Wissenswertes zur Entstehung erotischer Texte. Ganz ernst zu nehmen ist das allerdings nicht...



Karsten legte das iPad auf den Besprechungstisch. «Ich dachte, du seist sowas wie ’n Spätzünder und hast bis Mitte Dreißig nur mit Frauen rumgemacht?»

Ich fasste mir an die Stirn. «Hallo?! Ich bin Autor, das ist ausgedacht. Alles reine Fantasie.»

«Und warum dann der Ich-Erzähler?»

«Weil’s dann authentischer wirkt. Lass den Leser doch in dem Glauben, dass ich seit dreißig Jahren ununterbrochen geile Handwerker aufreiße.»

«Wenn die wüssten.»

«Wissen sie aber nicht. Als Autor musst du immer auch eine Story über dich haben.»

«Und sich das gleiche Angeber-Auto kaufen wie der Star des Wrestling-Porno Rüdiger Hansen.»

«Genau. Er ist übrigens dein Lover und mein Pick-Up ist nicht aus Amiland, sondern ein Vernunftprodukt aus Japan.»

«Also nicht mal authentisch, genau wie der Autor.»

«Dafür passt meiner in jedes Parkhaus. Ich komme überall hin mit meinem kleinen Ding.»

«Der Konsument von Pornofilmen will aber fette Dinger sehen.
Kleinschwänze sind eher ein Nischenmarkt.»



Stratenkämpfers in Meckelnborg


Risse.
Zeitschrift für Literatur in Mecklenburg und Vorpommern (2013)

Wenn der kleine Rolf Redlin von der Schule nach Hause kam, haben Vater und Großmutter am Mittagstisch miteinander Platt geschnackt. Der Vater sein Hamburger Platt, die Oma ihr meckelnbörger Platt.

50 Jahre später ist es höchste Zeit, selbst etwas auf Platt zu schreiben. Einen zeitgemäßen Text ohne Hang zur Volkstümelei.



Vun de Siet schelt Fabian no den Smeerbuuk siene stukige Waden. Över de linke Waad ringelt sik een tätoweert Slang. Jümmers wenn he een Sluck von sien Beer nahmt hett, is he an Opbölken. Mit sien breet Snuut un de Segelohrn süht he ut as een ossig Keerl.


Audio-Datei im mp3-Format









Bärensommer (Director’s Cut)


Mein schwules Auge 9  (2012)

Wem es in der Originalfassung des Romans ‹Bärensommer› nicht explizit genug zuging, greift jetzt zum Director’s Cut.

Einen schwulen Unterhaltungsroman zu schreiben, ist immer auch eine Gratwanderung zwischen der notwendigen Portion prickelnder Erotik und der immanenten Gefahr, ins Pornografische abzugleiten. Der eine Leser bevorzugt die dezenten Andeutungen, der andere mag es lieber expliziter. Für die Freunde klarer Worte hat Rolf Redlin jetzt eine Szene aus dem Roman ‹Bärensommer› als eine Art ‹Director’s Cut› zu einer hundertprozentig erotischen Geschichte aufgewertet. Und keine Angst, er überschreitet dennoch nicht die Grenzen des guten Geschmacks, wenn er seinen Protagonisten Bastian beim heimlichen Besuch im verlassenen Wohnwagen von Vorarbeiter Wilfried begleitet. Wie schön, dass Zunfthosen aus klassischem Manchester-Cord so unempfindlich sind. Flecken lassen sich einfach herausklopfen!



«Du bist ja noch da?! Hat der Herr Student am Wochenende nichts vor? Lernen für die Uni? Keine Freundin, die in Hamburg auf dich wartet?»

Bastian schluckte. Er hatte immer diesen verdammten Frosch im Hals, wenn er seinem Vorarbeiter gegenüberstand. Wilfried sah aus wie immer, mit seiner erdfarbenen Zunfthose und dem Trägerunterhemd, Schultern und gefurchte Stirn glänzend von Schweiß.



Treptowsee


Risse.
Zeitschrift für Literatur in Mecklenburg und Vorpommern (2011)

Zehn Jahre nachdem Manfred und Toralf sich im Roman ‹Bodycheck› kennenlernten, findet in Parchim ein Klassentreffen statt. Toralf besucht aus diesem Anlass seine Mecklenburger Heimat. Manfred bleibt lieber zuhause in Hamburg; er hat keinen Bock auf alte Zeiten. Marco, dem Manfred einst in Verenas Kneipe die Nase brach, könnte daher ungestört mit Toralf beim Bier sitzen. Doch plötzlich klingelt Toralfs Handy. Regine ist dran. Sie hat sich anlässlich des Klassentreffens im nahegelegenen Schlosshotel Grünstorf eingemietet. Wer in Wiesbaden Karriere gemacht hat, muss sich Dorfgasthöfe nun wirklich nicht mehr antun. Prompt ist Marco wieder der Dumme, denn Toralf speist am Abend mit Regine im gediegenen Schloss-Restaurant. Längs ist es dunkel geworden, da zieht es die beiden hinaus zum Treptowsee. Dort spüren sie ihrem ersten Zungenkuss nach.



«Gleich nach dem Abi habe ich Dachdecker gelernt. Vielleicht erinnerst du dich. Ein paar Jahre bin ich als Geselle hier in der Gegend gewesen. Dann nach Hamburg, studieren. Gewerbelehrer. Seit einem Jahr unterrichte ich an einer Berufsschule.»

Ihr Mund stand ein klein wenig offen. Der Lipgloss schimmerte.

Unbeeindruckt fuhr er fort. «Verheiratet bin ich auch. Er heißt Manfred und ist wie ich gelernter Dachdecker.» Er träufelte Zitronensaft über das rohe Fleisch. «So, und jetzt bist du dran.»


Fünf Jahre


Mein schwules Auge 8 (2011)

Wolfgang hat’s irgendwie nicht gepackt. Die Polizei wollte ihn nicht haben, die Bundeswehr auch nicht. Nun bewacht er nach Betriebsschluss U-Bahnzüge, ein trostloser Job.



«Ich nix Passport.»

«Das gibt’s doch gar nicht. Leer mal den Rucksack aus.»

Der Dummkopf verstand nicht. Wolfgang griff selbst zu und schüttete den Inhalt auf den Boden. Schreiend sprang der Junge auf, angelte nach einem durch die Luft segelnden Foto und presste es an sich. Ein Fußfeger genügte, um ihn zu Fall zu bringen.

«Was hast du da? Zeig mal her!» Wolfgang entriss ihm das Foto. Darauf der Junge, ein paar andere von seiner Sorte und eine einsame Dattelpalme. Nach und nach dämmerte es ihm. Bestimmt ein illegaler Ziegenficker den er da geschnappt hatte, ohne Aufenthaltsgenehmigung. Arbeitete schwarz in irgendeinem Drecksloch von Imbiss und ist auf dem Heimweg in der U-Bahn eingeschlafen. Ein echter Fang.






Jackensammlung


Mein schwules Auge 7  (2010)

Jacken kann man nie genug haben!



«So, und nun kommen wir ans Ende der Kleiderstange und zu den Highlights. Die Münchner Firma Erdmann hat Mitte der Sechziger aus dem klassischen Jeansjacken-Schnitt eine megageile Lederjacke für die Funkstreifen der Münchner Polizei abgeleitet. Es gab damals die Fernsehserie ‹Isar 12›, da trugen die Bullen diese Jacken. Beachte den Sitz! Was du hier siehst, ist ein Original, allerdings von der Hamburger Polizei, die diese Jacke übernommen hat. Sieh’ hier, das Original-Etikett von Erdmann und auf dem Ärmel den Abdruck vom Abzeichen.»

Dirk dreht den Ärmel im Licht, so dass ich den Schriftzug ‹Polizei Hamburg› entziffern kann.

Er gerät in Fahrt. «Und dann das Futter mit Leopardenmuster. Kult! Als sie die Jacken ausmusterten, liefen auf der Piste jede Menge Kerle mit ausrangierten Bullenjacken herum.










Mein Schwules Auge 8.
Das schwule Jahrbuch der Erotik

320 Seiten,

15,50 EUR (D)

ISBN: 978-3-887693-98-5

Konkursbuchverlag Tübingen

 

Risse. Sonderheft 6

110 Seiten,

7,50 EUR (D)

ISSN: 0949-7994

Verein zur Förderung neuer Literatur in Mecklenburg-Vorpommern RISSE e.V.

 

Mein Schwules Auge 9.
Das schwule Jahrbuch der Erotik

320 Seiten,

15,50 EUR (D)

ISBN: 978-3-887693-99-2

Konkursbuchverlag Tübingen

 

Risse Heft 30

110 Seiten,

5,00 EUR (D)

ISSN: 0949-7994

Verein zur Förderung neuer Literatur in Mecklenburg-Vorpommern RISSE e.V.

 
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Mein Schwules Auge 10.
Das schwule Jahrbuch der Erotik

320 Seiten,

16,80 EUR (D)

ISBN: 978-3-88769-910-9

Konkursbuchverlag Tübingen








Picturature – de l'image au text

24 Seiten,

1,00 EUR (D)

ISBN: 978–3–939400–61–5

THENEXTART Verlag


Mein Schwules Auge 13.
Das schwule Jahrbuch der Erotik

320 Seiten,

16,80 EUR (D)

ISBN: 978-3-88769-553-8

Konkursbuchverlag Tübingen

 

Mein Schwules Auge 12.
Das schwule Jahrbuch der Erotik

320 Seiten,

16,80 EUR (D)

ISBN: 978-3-88769-912-0

Konkursbuchverlag Tübingen

 

Mein Schwules Auge 11.
Das schwule Jahrbuch der Erotik

320 Seiten,

16,80 EUR (D)

ISBN: 978-3-88769-971-0

Konkursbuchverlag Tübingen

 
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